
Elektroklavier statt Flügel
Neue Vorarlberger Zeitung, 22. 8. 2003
Von Anna Mika
Es ist vielleicht nicht so besonders, Musik von Mozart und Haydn in einer Bar zu genießen. Aber wenn diese Musik live gespielt wird, und wenn die MusikerInnen noch dazu fabelhafte Musik machen - das hat was.
"Die alten Meister waren ja auch alle auf ihre Art wilde Hunde", meinte ein Musiker im Gespräch. In der Bar mit dem Namen E-Werk in Andelsbuch hörte man am Mittwoch abend das junge Ensemble "Feuerhaus" unter dem Dirigenten Hans-Peter Manser aus Bezau mit dem Klavierkonzert Nr. 13 in C-Dur von Mozart, die Symphonie Nr. 88 in G-Dur von Joseph Haydn und dazwischen die "Suite Tyrolienne" von Werner Pirchner.
"Feuerhaus" begeisterte
Natürlich hatte die Pianistin Gerda Struhal in dieser Bar keinen Konzertflügel zur Verfügung. Doch was sie aus dem kleinen Elektroklavier herausholte, war enorm. Das sang, das perlte, und da stimmte jede Dynamik und jede Phrasierung. Pirchners liebevolle Parodie auf das Landleben in Tirol einschließlich dem Schlagen einer Axt und dem Muhen der Kühe - diese Suite von Ländlern und Zwiefachen in schräger Tonalität machte Publikum und MusikerInnen besonders Spaß.
Schließlich bündelten sich bei Haydns Symphonie noch einmal alle Besonderheiten dieses kessen jungen Ensembles. Die Besetzung mit solistischen Streichern und den üblichen Bläsern machte den Klang frech. Auch formulierten sie ihre Musik beredt, sozusagen "historically informed", und sind doch Lichtjahre entfernt von akademischer Rechthaberei. Kurz gesagt, sie waren blendende MusikerInnen und dabei so locker und frisch wie ihr Outfit und ihr Konzertort.
Scharf auf Akzente
Nicht einmal im Largo kennt "Feuerhaus" Gnade
Vorarlberger Nachrichten, 23. 8. 2003
Bezau (VN-cf) "Feuerhaus soll sich nicht zu einem Orchester entwickeln, sondern zu einer Marke", sagte Dirigent Hans-Peter Manser im Vorfeld der beiden Konzerte am Mittwoch und Donnerstag. Nun, Marken brauchen Profil, und davon hat man bereits einiges gesehen.
Was war denn im E-Werk und im Bildungshaus Bezau so anders als bei herkömmlichen Orchesterkonzerten? Nun, es gab weder schultergepolsterte Schwarze mit Krawatten und anderen Einschnürungen, noch steife oder gar gelangweilte Gesichter, sondern freundlich helle Baumwollstoffe und eine kommunikative Haltung zum Publikum. "Feuerhaus" versteht auch etwas vom wirkungsvollen Auftritt: "Feuerhaus" verzichtet auf das obligate Stimmritual und beginnt sofort mit der Musik, nimmt sein Lieblingsthema des Konzertabends und läutet sich damit sozusagen selbst ein. Der lässige 7/8-Takt stammt aus Werner Pirchners "Soirree Tyrolienne". Zu diesem Stück gehört auch der Hackstock samt Axt und Holzscheit, der neben dem aus Bezau stammenden Dirigenten statt der Blumen thront.
Brilliante Struhal
Neben diesen äußerlichen Symbolen bemühen sich die jungen Musiker natürlich um musikalische Gustos. Besonders leicht zu fallen schien dies der Solistin des Abends, Gerda Struhal. Brillant und klar holt sie Linien aus Mozarts Klavierkonzert Nr. 13 in C-Dur heraus, zieht fast unmerklich an, um im entscheidenden Moment wieder loszulassen und hält den Zuhörer bis zum Schluss in Atem. Leider verblassen die zwei Geigen in ihrer Unterbesetzung. Dennoch kann man diesem bläserdominierten Zusammenklang etwas urig Bäuerliches abgewinnen, das sich vor allem bei Werner Pirchner gut macht. Unverdorben und lebendig lassen sich die Musiker auf das Spiel mit den Tirolerischen und Österreichischen Eigenheiten ein. Die Pianistin quetscht die Cuiqua (eine Art Trommel, in deren Fell ein Kolben ragt, der beim Herausziehen einen quäkenden Klang von sich gibt), der Klarinettist reibt die mit Schleifpapier überzogenen Maurerkellen aneinander und endlich kommt auch der Hackstock zum Einsatz.
Intelligenz hat Witz
Einen ähnlich intelligenten Witzbold präsentierte das Orchester nach der Pause: Josef Haydn, Sinfonie Nr. 88. Manser kostet jeden Akzent bis zum Gehtnichtmehr aus, lässt mitunter die Zeit dazwischen stehen, um, wenn es sein soll, wieder in hoch virtuoses Tempo zu verfallen. Selbst das Largo, welches von dem bezaubernd gespielten Oboen-Cello-Solo eingeleitet ist, muss sich die gnadenlosen Knaller gefallen lassen. Natürlich ist ein Menuett dieses Formats wie geschaffen für ein Orchester, das so auf rhythmische Nuancen steht. Ein feuriges Finale jagt von einem Impuls zum nächsten und in der Zugabe "Molly" präsentiert sich Manser zum Abschluss als Komponist. (Christina Fußenegger)CD-Besprechung in der Zeitschrift "Concerto", 03/05, Seite 69
Feuerhaus & Martin Reiter
Rache für Mozart
(vier von vier Punkten)
Martin Reiter, der junge österreichische Pianist mit der großen Erfahrung, übt Rache für Mozart. Stellvertretend für den großen Meister himself springt er in die klassische Bresche und führt mit seiner Einspielung von Mozarts Konzert für Klavier und Orchester in C-Dur, KV 503 all die unsäglichen Einspielungen diverser selbsternannter Mozartexperten ad absurdum. Bei der Präsentation der CD sagte Martin Reiter sinngemäß, das Feuerhausorchester habe gespielt, was Mozart notiert hatte, er habe an diversen Tasteninstrumenten, Klavier, Fender Rhodes-Piano, und Hammond-Orgel dazugespielt, was ihm gerade eingefallen sei. Ganz so wird es wohl nicht gewesen sein, und Martin Reiter wird sich sehr wohl überlegt haben, was wie zu dieser Musik passen könnte. In sehr sympathischer Manier zeigt Reiter, wie "klassische" Musik interpretiert werden kann, wenn man sich in die Entstehungszeit dieser Musik versetzen kann. Nebenbei bemerkt, Martin Reiter kann sich in diese Zeit versetzen. Zur Erklärung: Dem Solisten oblag es in dieser vergangenen Zeit, seine musikalischen Gedanken in das Werk einzubringen, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und nirgendwo stand festgeschrieben, dass diese Gefühle immer die gleichen sein müssten. Martin Reiter nützt diese "Vorgabe" in stupender Art und Weise aus und bringt alles, was ihn bewegt, ein, er scheut sich nicht, so zeitgemäße Instrumente wie eine Hammond-Orgel oder ein Fender Rhodes-Piano für seine Seelenschau zu verwenden und schafft dadurch einen vollkommen neuen, aber sicher im Sinne des Schöpfers angesiedelten Zugang zum Werk.
Das Feuerhausorchester ist ihm bei diesem Gedankengang ein kongenialer Partner und in Summe macht diese Kombination nicht nur Sinn sondern schafft auch eine wunderschöne CD mit herrlichen Klängen.
akro
Matthieu Michel Quartett & Feuerhaus
live am 5. 6. 2004 im P & B - die Kritik
Jazzzeit.at
Was für ein Abend! Das Matthieu Michel Quartett, mit ebendiesem an Trompete, Martin Reiter am Fender Rhodes, Peter Herbert am Bass und Alex Deutsch am Schlagwerk, fabrizierten eleganten wie wuchtigen Jazz mit klassen Melodiebögen und einer Interaktion, an die man sich noch lange erinnern wird können (da wollen). Matthieu Michel löschte die Hitze des Dargebotenen mit seinem streng reduzierten Trompetenspiels, das nur so vor Coolheit barst, im Gegensatz zu z.B. Alex Deutsch, dessen Fellbearbeitung an Zidane erinnerte, wenn er seine Gegenspieler beinahe schon so weit bringt, dass sie ihm applaudieren, obwohl er sie narrte. Der große Unterschied freilich: Deutsch und Michel und Herbert und Reiter sind keine Gegenspieler, sondern Mitspieler, unterstützt wurde das sensationell aufspielende Quartett von DJ Shalom an den Turntables und vom Kammerorchester Feuerhaus. Heraus kam dabei, wenn sie alle gemeinsam und praktisch gleichzeitig ihre Instrumente bearbeiteten ein derart wunderbares Gesamterlebnis, das in der österreichischen Jazzszene leider nur allzu selten zu hören ist, mehr noch, weltweit quasi unique ist, denn Kammerorchester plus Jazzquartett plus Turntables muss man eindeutig unter das Etikett „Rarität" bzw. „seltene Spezies" stellen. Und wie das donnerte, romantisierte, einem zum Schwelgen brachte, und wie das zusammen passte, und wie man nur hoffen kann, dass dies kein einmaliges Ereignis war, und somit unbedingte Fortsetzung finden möge! Die Grooves von der Vinyl fetzten dabei, was das Zeugs hielt, das Orchester hielt mit ihrem Monumentsound dagegen, Deutsch trommelte sich sichtlich vergnügt kreuz und cross, Peter Herbert brachte seinen Bass zum Salutieren, entlockte diesem die ärgsten Kurzweiltöne, Martin Reiter - seine Orchester-Arrangements sind im übrigen exzellent - orgelte geheimnisvoll wie schon lange nicht mehr, und, tja, wie bereits erwähnt, Matthieu Michel entlockte seinem goldgelben Instrument die coolsten Töne, saß fortwährend ziemlich gebückt auf einer recht unbequem dreinschauenden Sitzgelegenheit, das Gesicht zu Boden gerichtet, die Trompete eben dorthin spielend. Kaum ein Blick zu seinen Mitspielern, geschweige ins Publikum, und wer jetzt an Miles Davis denkt, denkt nicht ganz falsch. Am Ende des eigenwilligen Programms, an das man nur mit Ehrfurcht denken kann, stand Hans Koller als Alex Deutsch-Remix im Mittelpunkt des Geschehens. In dieser Besetzung ist das Matthieu Michel Quartett in Österreich unerreicht.
Abwechslungsreiche Klänge am Klavier
Kleine Zeitung, 21. 8. 2006
Villach. Im Rahmen des carinthischen Klavierkonzertezyklus bot das Kammerorchester Feuerhaus unter Hans Peter Manser im Congress Center ein fein abgestimmtes Programm. Werke Mozarts und michael Haydns wurden einer von ersterem inspirierten Bläserkomposition des Vorarlbergers Richard Dünser gegenübergestellt, aber auch in jazziger Manier variiert und ausgeweitet.
Nach dem schönen Beginn, dem Klavierkonzert C-Dur KV 415, tief empfunden interpretiert von der Solistin Gerda Struhal, spielte der Klarinettist Martin Schelling mit Streicherbesetzung ambitioniert die zeitgenössische, nicht allzu aufregende, aber abwechslungsreiche Sinfonietta concertante.
Im zweiten teil erlebte man nach einer spritzigen Sinfonia in C von Michel Haydn die Improvisationskunst des Wiener Pianisten Martin Reiter. Auf Flügel und Hammondorgel bot dieser und das partnerschaftlich begleitende Orchester Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 503, durch die Brille des afroamerikanischen jazz gesehen
Abbrennen der Gattungsgrenzen
Das Kammerorchester Feuerhaus unter der Leitung von Hans-Peter Manser aus Bezau zündelte am Samstag und am Sonntag im Wiener Jazzclub „Porgy & Bess" gehörig.
Von Daniel Ender
Neue, 8.6.2004
Ein Klangkörper mit klassischer Besetzung, der den herkömmlichen Rahmen von Konzerten, Gattungsnormen und Konventionen sprengt: Das ist das von Hans-Peter Manser, dem Vorarlberger Cellisten Wolfgang Ender und zahlreichen weiteren engagierten jungen Musikern gegründete „Feuerhaus"-Ensemble. Letzten Sommer konnte man sich bereits in Andelsbuch im Bregenzerwald von der Spritzigkeit der Formation überzeugen (die NEUE berichtete), am vergangenen Wochenende eroberte die stürmische Truppe die wichtigste Wiener Location für Jazz.
Mattheu Michel Quartett
Das Besondere des Projekts: Musiziert wurde gleichzeitig mit dem Orchester vom improvisierenden Jazzquartett des Trompeters Matthieu Michel, dem auch der Kontrabassist Peter Herbert angehört, und einem DJ: Die Stimme einer Jazzsängerin vom Tonband mischte sich mit Big-Band-Sound, satten Streicherklängen, darüber jammten die Jazzer. Reminiszenzen an Stravinsky, an die gute alte Zeit des Crossovers, die Beatles und die Jazzgröße Hans Koller wurden wach. „Feuerhaus" ist übrigens bald wieder im Ländle: im August kann man das Ensemble mit Mozart und Jazz in Bezau erleben.